﻿{"id":4943,"date":"2021-06-23T18:31:57","date_gmt":"2021-06-23T17:31:57","guid":{"rendered":"http:\/\/generation-luzifer.de\/?p=4943"},"modified":"2021-06-23T19:02:28","modified_gmt":"2021-06-23T18:02:28","slug":"interview-mit-norbert-thines-wegbegleiter-ausgabe-2-20092010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.generation-luzifer.de\/?p=4943","title":{"rendered":"Interview mit Norbert Thines &#8211; Wegbegleiter Ausgabe 2 (2009\/2010)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/generation-luzifer.de\/hp\/Interview_Thines.jpg\" alt=\"Interview Norbert Thines\" width=\"600\" height=\"847\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Ehrenpr\u00e4sident des FCK, Norbert Thines, ist im Alter von 80 Jahren verstorben. Auch nach seiner Amtszeit stand er wie kaum ein Zweiter f\u00fcr die Werte unseres Vereins. Aus diesem Grund wollen wir ein \u00e4lteres Interview mit ihm, welches im Rahmen des Wegbegleiters gef\u00fchrt wurde, der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich machen. Ruhe in Frieden Norbert!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit einigen Wochen Versp\u00e4tung soll heute unser Interview mit Norbert Thines stattfinden. Norbert Thines? Eine Legende!<br \/>\nW\u00e4hrend wir durch die engen Gassen unserer Stadt fahren, philosophieren wir \u00fcber das folgende Interview: Wie wird er uns empfangen? Wie wird er auf unsere Fragen reagieren? Norbert Thines: Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, Vizepr\u00e4sident und sp\u00e4ter Pr\u00e4sident unseres Vereins!<br \/>\nNiemand, der gro\u00dfe Reden schwingt mit vielen leeren Phrasen, nein! Lieber jemand, der anpackt, etwas ver\u00e4ndern will und seine Meinung auch gegen Widerst\u00e4nde verteidigt. Dass diese und weitere Eigenschaften haargenau auf Norbert Thines zutreffen, durften wir dann einige Minuten sp\u00e4ter selbst erfahren. Ein herzlicher Mensch \u00f6ffnet uns in lockerer Art die T\u00fcr seines bescheidenen Hauses. Zun\u00e4chst gratulierten wir ihm zu seinem 70. Geburtstag, welchen er einige Tage zuvor gefeiert hatte, und \u00fcbergaben ihm Geschenke im Namen der Gruppe.<br \/>\nW\u00e4hrend wir uns dann in Richtung Garten bewegten und uns niederlie\u00dfen, betrachtete er insbesondere die von uns mitgebrachten Collagen mit Choreographien unserer Gruppe. Er begann zu sprechen, voll des Lobes \u00fcber unsere Aktionen und sprach uns zu, dass Leute wie wir diesen Verein ausmachen. Dass Fans wie wir den FCK zu dem machen, was er ist und dass er riesigen Respekt vor unserer Arbeit hat. Wow \u2013 und das aus dem Mund eines Mannes, der schon alles gesehen und erlebt hat! Wir waren perplex, aber auch ein wenig stolz, w\u00e4hrend Norbert Thines weitersprach. Und w\u00e4hrend er erz\u00e4hlte, war seine unglaubliche Lebenserfahrung sp\u00fcrbar. Sp\u00fcrbar, welch gro\u00dfes Herz dieser Mann f\u00fcr andere Menschen hat, w\u00e4hrend er uns von den mittlerweile 25 Hilfskonvois erz\u00e4hlte, welche vor allem in Richtung Ostblock gelaufen und von ihm federf\u00fchrend mitorganisiert worden waren. Man sp\u00fcrte seinen Stolz \u00fcber den FCK-Fanclub aus Bulgarien, welcher sich gar nach ihm benannte, da er aus eben diesen Beziehungen entstand. Und so f\u00fchrten wir in den folgenden zwei Stunden ein gro\u00dfartiges Interview mit vielen sch\u00f6nen Anekdoten eines unfassbar herzlichen, aufgeschlossenen und sozialen Menschen, welches uns definitiv ein St\u00fcck weit gepr\u00e4gt hat \u2013 Danke, Norbert Thines!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Herr Thines, als Kind haben Sie die Spiele auf dem Betzenberg noch von den B\u00e4umen au\u00dferhalb des Stadions verfolgen k\u00f6nnen, heute pilgern die Massen in ein mehrfach ausgebautes WM-Stadion. Welch ein Gef\u00fchl ist das heute f\u00fcr Sie?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, das ist die Wahrheit, damals hatte ich kein Geld gehabt (lacht). Nat\u00fcrlich ist man auf einer Seite stolz, denn die WM beispielsweise w\u00e4re niemals hierhergekommen, wenn wir nicht damals nach absolut modernsten Gesichtspunkten das Kernst\u00fcck des Stadions, die Nordtrib\u00fcne, umgebaut h\u00e4tten. Wir waren vorher nach Amerika geflogen und hatten uns die Super Domes angeschaut, das waren traumhafte Stadien. Nat\u00fcrlich wussten wir, dass wir nicht alles von dort auch bei uns umsetzen k\u00f6nnen. Was Sicherheitsanlagen und VIP-Logen und all das, was Geld bringt betrifft, waren uns die Amerikaner weit voraus. Hier steckte dies alles noch in den Kinderschuhen. Wir wussten, dass manches gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig sein w\u00fcrde, die Leute sich daran aber gew\u00f6hnen w\u00fcrden mit der Zeit. Der Umbau der Nordtrib\u00fcne, welcher in meine Amtszeit f\u00e4llt, wurde also unter modernsten Gesichtspunkten vollzogen. Daran haben sich dann nach meiner Zeit die S\u00fcdtrib\u00fcne und der Rest angeschlossen. Das war f\u00fcr den DFB so vorbildlich, dass er bereits um 1995, als noch gar nicht sicher war, dass Deutschland sich f\u00fcr die WM bewerben oder sie sogar bekommen w\u00fcrde, anfragte, was wir denn anbieten k\u00f6nnten und was machbar w\u00e4re, denn nach dem damaligen Status Quo h\u00e4tten wir aufgrund der zu geringen Kapazit\u00e4t kein Spiel bekommen d\u00fcrfen. Mein Standpunkt war damals, dass wir dort mitmachen, aber kein Geld haben, um es in die Hand zu nehmen und daher alles so anbieten, wie es ist. Daraufhin sagte die Kommission, dass wir dann nur ein Spiel bekommen w\u00fcrden. Ich fand das in Ordnung, wir waren in diesem Zirkus drin, brauchten aber kein Geld f\u00fcr Umbauma\u00dfnahmen, die Stadt partizipierte daran und das w\u00e4re gut gewesen. Aber den gro\u00dfen Stil, wie das Stadion dann ausgebaut wurde, wollten wir nicht. Wir brauchen uns dennoch nicht zu sehr \u00fcber ein zu gro\u00dfes Stadion zu beschweren, denn ich denke, wenn die Entwicklung so weitergeht, wird es genau richtig sein. Ich glaube, damals mit gutem Blick in die Zukunft gehandelt zu haben. Gerade bez\u00fcglich mancher Forderungen konnten wir auch vieles abwenden, zum Beispiel was das Thema Versitzplatzung betrifft. Nat\u00fcrlich mussten wir Kompromisse eingehen, was aber mit Sicherheit besser war, als mit leeren H\u00e4nden dazustehen. Dort hatten die Fans auch einen gro\u00dfen Anteil mit ihren Aktionen wie \u201eSitzpl\u00e4tze sind f\u00fcr\u2019n Arsch\u201c, das habe ich auch immer unterst\u00fctzt. Wenn wir dann zwei, drei Mal im Monat in Frankfurt in der Zentrale zusammenkamen, hab\u2018 ich daf\u00fcr immer eins auf den Deckel bekommen (lacht). Was mich ein wenig st\u00f6rt, sind die unnahbaren Verh\u00e4ltnisse, die teilweise herrschen. Klar, Stefan Kuntz ist da eine Ausnahme, aber wer kennt die anderen Mitarbeiter? Ich finde, sie sitzen zu viel im B\u00fcro und gehen zu wenig zu den Leuten. Unser Verein ist pr\u00e4destiniert f\u00fcr ein famili\u00e4res Miteinander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Zeit Ihrer ersten Stadionbesuche fiel in die ganz gro\u00dfe Zeit des 1.FC Kaiserslautern, die der Walter Elf. Haben diese Mannschaft und ihre Einstellung Sie nachhaltig gepr\u00e4gt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf jeden Fall. Wir waren damals immer beim Training, haben den Spielern die B\u00e4lle geholt. Bei den Spielen wurde es dann schwieriger, entweder mussten wir versuchen uns an den Ordnern vorbeizustehlen oder wir wichen eben auf die B\u00e4ume hinter der Osttrib\u00fcne aus. Du hast zwar nur ein St\u00fcck vom Rasen gesehen und ab und zu ist mal einer dr\u00fcber gestolpert und wenn die anderen geschrien haben, hast du auch geschrien, aber das war das Gr\u00f6\u00dfte f\u00fcr dich.<br \/>\nWir haben auch zu meiner Zeit versucht, alles immer transparent zu machen. Damals zehrten ja noch alle von der Walter Elf und dieser \u00c4ra und unser Ziel war es immer, sie mit der aktuellen Mannschaft zusammenzuf\u00fchren um eben diese Tugenden, die sie zweifellos verk\u00f6rpert hatten, weiterzugeben. Die sind damals nicht bei jedem Streicheln umgefallen, da ist gerackert worden und wenn du umgetreten wurdest, dann bist du wieder aufgestanden. Diese Tugenden wollten wir weitervermitteln, auch beim Feiern. Heute gehen sie zum Italiener, wir haben noch Pf\u00e4lzer Weinfeste gefeiert, richtig zugeschlagen (lacht). Hans-Peter Briegel zum Beispiel konnte drei Liter Bier trinken und hat noch besser gespielt als jeder andere. Nat\u00fcrlich wussten die Spieler trotzdem was sie machen d\u00fcrfen und was nicht. Dieses Kameradschaftsding kann auch nur funktionieren, wenn du Vorbilder hast.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Stichwort Spieler: Gab es fr\u00fcher noch zahlreiche Spieler, welche dem Verein \u00fcber Jahre hinweg treu blieben und die sich mit Fans und Verein identifizierten, so ist der dienst\u00e4lteste Spieler heute meistens noch nicht einmal drei Jahre im Verein. Wie beurteilen Sie die heutige Spieler-Generation?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wie sich unsere Gesellschaft ver\u00e4ndert, so ver\u00e4ndert sich auch die Situation im Sport. Alles ist schnelllebiger und kurzfristiger geworden. Die Vertr\u00e4ge haben eigentlich gar nicht mehr die Wichtigkeit, wie sie sie noch zu unserer Zeit hatten, da existierte noch eine Bindung und das galt f\u00fcr beide Parteien. Heute ist mancher Vertrag nicht mehr wert als ein St\u00fcck Klopapier. Es ist nun mal leider eine Zeit angebrochen, in der verschiedene Faktoren zusammenspielen, und das ist das Ergebnis.<br \/>\nWas mich sehr st\u00f6rt, ist die Unsitte mit den Beratern. Sie verdienen ja nur, wenn der Spieler wechselt. Wenn ich manchen Spieler h\u00f6re, wie sehr sein Herz doch am Verein hinge und er ein paar Wochen sp\u00e4ter sein Herz wieder vergessen hat, weil er irgendwo f\u00fcnf Mark mehr verdienen kann, dann kann ich nur den Kopf sch\u00fctteln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sie haben immer f\u00fcr Bodenst\u00e4ndigkeit beim FCK pl\u00e4diert. Ihr Fazit \u00fcber das k\u00fcnstliche Produkt aus Hoffenheim d\u00fcrfte dann eindeutig sein, oder?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe Hochachtung vor Dietmar Hopp, weil er in seiner Region so etwas aufgebaut hat. Dennoch ist es richtig: Das ist eine Retortensache, eine Werksmannschaft, Traditionsbewusstsein gibt es dort nicht, die sind ja erst f\u00fcnf Jahre alt oder so (lacht). Wir kannten das ja damals nur aus Amerika, da hat ein Investor am einen Tag einen Fu\u00dfballverein gekauft, und wenn er nach ein paar Wochen wieder mehr Lust auf Baseball hatte, dann lie\u00df er den Verein wieder fallen. Wenn wir solche Verh\u00e4ltnisse bek\u00e4men, w\u00e4re das eine Katastrophe. Wir m\u00fcssen solche Vereine aber ertragen, da alles legal ist. Dennoch w\u00e4ren wohl manche sehr froh gewesen, h\u00e4tte Dietmar Hopp sich damals f\u00fcr den FCK engagiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Am 27. November 1976 kam es bei der Partie Kaiserslautern gegen D\u00fcsseldorf in der 76. Minute und beim Stand von 0:1 nach wiederholten Flaschenw\u00fcrfen zum ersten Spielabbruch nach Zuschauerausschreitungen in der Bundesliga- Geschichte. Das Spiel wurde schlie\u00dflich mit 0:2 gewertet. Wie waren damals die Reaktionen im Verein und bei den Fans? Gab es au\u00dfer der Wertung weitere Konsequenzen vom DFB oder vom Verein f\u00fcr die Fans?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wissen heute, dass der DFB damals einfach ein Exempel statuieren wollte. Dass daf\u00fcr nat\u00fcrlich immer der arme FCK herhalten musste, das war traurig (lacht). Denn gemessen an den Dingen, die heute teilweise passieren, war das eine Lappalie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Fanszene und Fankultur hat sich in den letzten Jahrzehnten stetig gewandelt. Zu den noch \u201ewilderen\u201c Zeiten in den Achtzigern waren Sie schon im Verein, sp\u00e4ter Pr\u00e4sident. Wie haben Sie diese Zeiten damals miterlebt und welche Erfahrungen haben Sie mit den FCK-Hooligans gesammelt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Hooligans habe ich immer eine Hassliebe gehabt. Ich habe immer versucht, den Leuten zu helfen, da unter ihnen auch viele sozial \u00e4rmer gestellte Menschen waren. Ich konnte damals \u00fcber meine Beziehungskreise viele in Arbeitsstellen unterbringen und ihnen so zeigen, dass wir es gut mit ihnen meinen. Viele haben sich dadurch auch zum Positiven ver\u00e4ndert, sind \u00e4lter und ruhiger geworden, haben auch mal selbst eine drauf bekommen und hatten dann keine Lust mehr drauf zu schlagen (lacht). Stalin-Zeiten waren das. Damals war ich eine Zeit lang Vizepr\u00e4sident und wir haben gesagt, wir wollen mit den Leuten in Kontakt kommen, haben sie eingeladen. Viele von ihnen hatten damals Stadionverbot, aber da haben sie sich nicht drum geschert. Dann standen sie im blauen Anzug auf der anderen Seite und machten eben dort Randale (lacht). Damit hat man sie nicht richtig in den Griff gekriegt, die \u00dcberwachungsm\u00f6glichkeiten waren ja auch noch sehr beschr\u00e4nkt. Wir haben n\u00e4chtelang mit ihnen diskutiert und sie beispielsweise beim Stadionfest eingesetzt. Da haben sie dann vom Polizeistand die B\u00f6ller, die dort ausgestellt waren, geklaut. Dann durfte ich den Streit schlichten (lacht). Ich hatte da aber auch keine Hemmungen, war alleine auf ihren Partys, ihren Weihnachtsfeiern und so weiter. Das wurde mir von vielen Seiten krummgenommen, die Polizei sagte immer, ich solle mich von diesen Leuten fernhalten. Doch die Gespr\u00e4che wurden mit der Zeit fruchtbar, wir haben ihnen gesagt: \u201eMacht euch n\u00fctzlich f\u00fcr den Verein!\u201c Wir gaben ihnen Stellen im Ordnungsdienst und das war der beste Ordnungsdienst, den wir je hatten. Das war dann tats\u00e4chlich etwas Sinnvolles f\u00fcr ihren Verein, denn mit ihrem Hooligankram haben sie dem Verein ja nicht geholfen, sondern geschadet.<br \/>\nEs war eine m\u00fchevolle Zeit, aber es hat sich gelohnt. Eine Anekdote: Damals hat sich alles, was zum rechten Spektrum z\u00e4hlte, hinter der Reichskriegsflagge versammelt. Dabei wussten die meisten nicht mal, was das ist. Im Block haben sie Hitlergr\u00fc\u00dfe und alles gemacht. Ich bin dann alleine, ohne Ordner, hin und habe die Fahne runtergerissen. Die Polizei hat sich fast ins Hemd gemacht (lacht). Zwar haben sie mich b\u00f6se angeschaut und umringt, aber ich habe ihnen gesagt, dass die Fahne ab dem heutigen Tage im Stadion verboten sei.<br \/>\nUnser permanentes Bem\u00fchen hat sich ausgezahlt, wir hatten am Ende einen Haufen braver Buben (lacht). Leider haben die Medien auch ihren Teil dazu beigetragen. Da haben die sich in Wattenheim auf der H\u00f6he verschlagen und ein regionaler Sender hat ihnen das Bier bezahlt, damit er dar\u00fcber berichten durfte. Das waren gestellte Sachen, mit denen sie die jungen Kerle gefangen haben, das war schade mit der Sensationsgeilheit. Es war aber eine sch\u00f6ne Zeit mit den Jungs!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>R\u00fcckblickend kann man heute festhalten, dass Sie Ende der Siebziger schon fast als Begr\u00fcnder der aktiven Fanarbeit beim FCK zu sehen sind. In dieser Zeit gr\u00fcndeten sich die ersten Fanclubs und die ersten Fantreffen wurden organisiert. Wie nahm der Verein diese Situation wahr, dass sich die Fans nun in eigenen B\u00fcndnissen organisierten? Sie waren dabei federf\u00fchrend f\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige Treffen mit den Fanclubs verantwortlich. Was waren damals die Themen bei solchen Treffen, was hat die Fans bewegt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war zuvor sieben Jahre lang Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Di\u00f6zese in Speyer und habe dort Jugendarbeit betrieben. Daher war mir bewusst, dass man mit jungen Leuten etwas machen muss.  Man muss mit ihnen zurechtkommen und versuchen, sie so zu nehmen, wie sie sind. Das habe ich also schon mitgebracht. Der Herr M\u00fcller, der damalige Pr\u00e4sident, sagte zu mir: \u201eMit den Fans fangen Sie nichts an, die Briefe werden weggeschmissen! Wenn die erst mal was zu sagen haben, dann k\u00f6nnen wir einpacken und haben nichts mehr zu melden!\u201c Das war seine Philosophie. Doch ich habe nie lockergelassen und nach ein paar Wochen hat er schon gesagt: \u201eMachen Sie doch was sie wollen, das machen sie ja eh\u201c (lacht).<br \/>\nIn dieser Zeit haben sich rund 200 Fanclubs gegr\u00fcndet. Wir haben jedoch nicht nur zusammen getrunken, sondern auch sinnvolle Dinge in Gang gesetzt, beispielsweise auf der Burg Lichtenberg. Da kamen 4.000 Jugendliche zusammen, klar ging dort was ab. Aber wir haben auch einen Gottesdienst gefeiert, es gab eine Podiumsdiskussion zum Thema Gewalt in den Stadien mit hoch angesehenen Journalisten und die Mannschaft hat ein Spiel gegen eine Auswahl der Leute bestritten.<br \/>\nNat\u00fcrlich gab es auch damals schon Schlachtrufe und Ges\u00e4nge in der Kurve, aber nicht in der Form der Perfektion, wie ihr heute zum Beispiel eure Choreographien macht.<br \/>\nWir haben damals eine Mustersatzung angefertigt. Punkt eins war nat\u00fcrlich immer, dass der FCK auf Gedeih und Verderb so gut wie m\u00f6glich unterst\u00fctzt werden sollte. Aber dann kam auch schon, dass jeder Fanclub versuchen sollte, in seiner Region eine soziale Aktion durchzuf\u00fchren, worauf auch sofort 75% der Fanclubs aufgesprungen sind. Und dieses Bild in der Gesellschaft, dass sich die FCK- Fans auch sozial engagieren, das hat unserem Verein ebenso viel gebracht wie beispielsweise ein gutes Fu\u00dfballspiel. Das geht leider unter, wird so abgetan als sei es selbstverst\u00e4ndlich, was es aber nicht ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie entstand damals die Idee, den Fanbeirat ins Leben zu rufen und wie war die Resonanz auf diese neuen Posten in der Fanarbeit?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war immer sehr schwierig, solche Dinge umzusetzen, sofort gab es Widerstand. Doch ich war immer ein Anh\u00e4nger von, ich nenne das Demokratur (lacht). Wenn ich etwas im Kopf hatte, dann habe ich das auch umgesetzt. Zum Beispiel der erste Ausl\u00e4nderbeauftragte in der Bundesliga, den habe ich eingestellt. Wir hatten ja sehr viele Portugiesen, f\u00fcr die wir eine eigene Abteilung eingerichtet haben, w\u00e4hrend es beispielsweise in der Boxabteilung eher Russen waren. Auf jeden Fall war ein Ausl\u00e4nder bei uns immer ein gleichwertiger Partner, das hat es nie gegeben, dass dort oben jemand diskriminiert wurde, es sei denn vom Brehme oder so \u2018nem Dummkopf. Bei uns war ein Ausl\u00e4nder genauso Sportskamerad wie jeder andere auch.<br \/>\nDer Hintergrund des Fanbeirats war, dass alle Regionen abgedeckt sind, dass wir in jeder Region ein Sprachrohr haben. Ich habe mich bem\u00fcht, dass sie an den Verein angebunden sind, mehr Informationen erhalten und in manchen Dingen, nat\u00fcrlich nicht \u00fcberall, auch ein Mitsprachrecht einger\u00e4umt bekommen. Aber bei Entscheidungen wie zum Beispiel mit dem Familienblock oder den Rollstuhlfahrerpl\u00e4tzen, da gab es immer Diskussionen, weil das Wirtschaftliche im Vordergrund stand. Es hie\u00df damals, der DFB verlange 25 Rollstuhlfahrerpl\u00e4tze, da habe ich gesagt: \u201eIch verlange 100!\u201c Denn ich wusste, dass bei gro\u00dfen Spielen immer 100 Rollstuhlfahrer da waren. \u201eWenn Sie jemanden mit Behinderung, der sich die gro\u00dfe M\u00fche gemacht hat auf den Betze zu kommen, abweisen m\u00f6chten, dann tun Sie das bitte selbst!\u201c Da hatte ich viel Krach bei uns innerhalb des Gremiums, aber wir haben die 100 Pl\u00e4tze durchgesetzt! Klar, du verlierst ein paar Tausend Mark pro Spiel, aber du gewinnst Sympathien und die Herzen der Menschen. Und gerade die Behinderten sind so treu und mit ganzem Herzen dabei. Das sind so Dinge, wo ich immer versucht habe, andere Wege zu gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Spiel mit dem Feuer Teil eins: Beim UEFA-Cup-Duell gegen Neapel im November 1982 drohte die Begegnung aufgrund von Nebel auszufallen. Mit einem Feuer wurde der Nebel quasi vertrieben. Wie darf man sich eine aus heutiger Sicht unglaubliche Aktion bei einem internationalen Spiel vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das stimmt, das ist heute unvorstellbar. Der Nebel war grauenhaft und hat sich im Stadion gestaut. Mir hatte mal jemand von der Uni erz\u00e4hlt, dass man Nebel in einem geschlossenen Dings mit der Thermik bek\u00e4mpfen kann. Das hatte ich irgendwo im Hinterkopf. Zwei Stunden vor dem Spiel standen alle Zeichen auf Abbruch. Da sagte ich zum Ordnungsdienstleiter, dass sie alles Brennbare suchen, \u00d6l dr\u00fcber kippen, anz\u00fcnden und hinters Tor stellen sollten. Und tats\u00e4chlich, es hat geklappt! Man hatte zwar nur Sicht bis zum Tor, aber der Schiedsrichter sagte, wenn man von einem Tor bis zum anderen sieht, pfeift er an. Und genau das hatten wir geschafft. Innerhalb von zwei Stunden hatten wir das Stadion gegen die Naturgewalten gewappnet (lacht).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Spiel mit dem Feuer, die Zweite: Barcelona 1991. Nicht nur die Kurve leuchtete damals im Schein von bengalischen Feuern, auch die Augen vieler Fans leuchten noch heute bei den Erinnerungen an diese Zeiten. Pyrotechnik, welche damals auch f\u00fcr die besondere Atmosph\u00e4re auf dem Betzenberg mitverantwortlich war, ist heute verboten. Wie denken Sie \u00fcber diese Verbote?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe zwei Herzen in meiner Brust. Einerseits denke ich, dass wenn Verantwortlichkeit vorherrscht mit so etwas umgegangen werden kann, zum Beispiel auch bei Choreographien \u2013 aber wie gesagt, verantwortlich. Es kann nicht sein, dass junge Kinder, die keine Vorstellung von den Gefahren haben, wom\u00f6glich ihren Gegenmann anstecken (lacht).<br \/>\nWie gesagt, ich bin zwiegespalten. Einerseits Ordnung und Sicherheit, die wichtig sind, andererseits muss man auch hier einen Mittelweg finden, durch den man verantwortlich z\u00fcndeln kann. Wir haben die Bilder ja auch alle im Kopf, das waren ja teilweise echte H\u00f6llenfeuer. Dass da nie mehr passiert ist! Das waren also schon verantwortungsbewusste Jungs!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Seiten der Verb\u00e4nde wird gerne auf die soziale Aufgabe und Integrationsfunktion des Fu\u00dfballs hingewiesen, denen er in vielen Bereichen zweifelsohne auch gerecht wird. Mit Hinblick auf die immer weiter voranschreitende Kommerzialisierung und Professionalisierung in den h\u00f6heren Ligen oder auch bei Turnieren wie der Welt- oder Europameisterschaft stellt sich aber die Frage, ob es den Verb\u00e4nden in diesen \u201eEtagen\u201c nicht nur noch ums Geld geht und die soziale Komponente nicht nur Schein und Etikett hinter einem riesigen Gesch\u00e4ft ist. Gibt es so etwas wie Werte oder eine soziale Funktion im Profifu\u00dfball \u00fcberhaupt noch?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es muss nicht nur mit sch\u00f6nen Transparenten dargelegt werden, sondern es m\u00fcssen Menschen dahinterstehen, die das auch leben. Was der DFB im Gro\u00dfen und Ganzen tut, ist in Ordnung. Auch so Initiativen wie die \u201eEgidius Braun Stiftung\u201c in Mexiko sind vorbildliche Leistungen. Das Positive \u00fcberwiegt zum Gl\u00fcck deutlich, aber es ist nat\u00fcrlich immer mehr m\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die FCK Fans und Fanclubs sind f\u00fcr ihr starkes Engagement im sozialen Bereich bekannt. Auch Sie sind beispielsweise Schirmherr der Aktion \u201eSozial aktiv\u201c und konnten dar\u00fcber hinaus das soziale Engagement der Fanclubs w\u00fcrdigen. Haben Sie Ideen, wie man diesem Bereich gr\u00f6\u00dfere Pr\u00e4senz beimessen kann?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war ein guter Ansatz, dass die sozialen Aktivit\u00e4ten der Fanclubs vor dem Spiel gew\u00fcrdigt wurden. Das ist heute leider nicht mehr so regelm\u00e4\u00dfig der Fall. Erstens haben die Fanclubs das verdient, dass man ihre Arbeit lobt und plakativ zur Nachahmung zeigt und zweitens ist das doch eine sch\u00f6nere Geschichte als wenn man irgendwelche Werbefilme macht. So viel Platz muss sein! Das war etwas, wobei sich die Fans artikulieren konnten, das ist jetzt wieder weniger, das ist schade.<br \/>\nWas ich gut finde ist, dass etwas von der Mannschaft kommt. Martin Amedick engagiert sich hier, wie ich eben gesagt habe: Nicht nur reden, sondern auch handeln. Allgemein finde ich aber, dass hier mehr beim FCK passieren m\u00fcsste in sozialer Hinsicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Erz\u00e4hlen Sie uns bitte mehr \u00fcber Ihre Initiative \u201ealt-arm-allein\u201c.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor dreizehn, vierzehn Jahren tauchte in den Medien erstmals der Begriff \u201eAltersarmut\u201c auf. Damals wusste aber noch niemand, was das ist. Wir hatten damals immer einen Stammtisch mit den zwei Pfarrern der Kirchen, Journalisten von Zeitungen und noch ein paar anderen Leuten, die sich spontan alle paar Wochen zusammensetzten und besprachen, was schief l\u00e4uft in der Gesellschaft und was man verbessern k\u00f6nnte. Das war ein guter Einstieg. Dann haben wir gesagt, wenn es die Altersarmut in Lautern gibt, dann werden wir allen Menschen, die nachweisbar in Altersarmut leben, einen Herzenswunsch erf\u00fcllen. Dazu setzten wir einen Spendenaufruf in die \u201eRheinpfalz\u201c und bekamen auch eine Menge Geld. Allerdings konnten wir das alles gar nicht ausgeben, denn die betroffenen Leute haben sich nicht gemeldet, weil sie sich gesch\u00e4mt haben. Da gab es also eine Barriere. Trotzdem haben wir weitergemacht und versucht an die Leute heranzukommen. Sie kommen nicht zur dir, wir m\u00fcssen auf sie zugehen. Es ist nicht wichtig welche Konfession oder Herkunft die Person hat, es z\u00e4hlt allein die Bed\u00fcrftigkeit. Dann helfen wir dieser Person. Politik bleibt bei uns raus, bei uns z\u00e4hlt die Verschwiegenheit, die Leute sollen ihr Leben verbessert bekommen, aber nicht drau\u00dfen auf dem Markt ausgestellt, wie es die Politiker gerne tun. So haben wir mit den Jahren einen Lernprozess durchlaufen.<br \/>\nWenn wir uns nur eine Stunde mit den Leuten unterhalten, dann wissen wir schon viel \u00fcber sie. Auf den \u00c4mtern redet niemand mit ihnen, deshalb versuchen wir durch Gespr\u00e4che herauszufinden, wo genau sie Hilfe ben\u00f6tigen und was man in ihrem Leben verbessern k\u00f6nnte. Auf den Sitzungen beschlie\u00dfen wir dann, wer welche Hilfe auf welche Weise bekommt. Das hat sich mittlerweile zu einer riesigen \u201eFirma\u201c entwickelt. Wir haben zurzeit 60 ehrenamtliche Mitarbeiter, die in die Wohnungen gehen und die Leute mit allem was sie ben\u00f6tigen versorgen. Dann ist da eine weitere Komponente, es hei\u00dft ja \u201ealt-arm-allein\u201c- Wenn jemand allein ist, tut er sich ungleich schwerer, als wenn er einen Partner hat. Diese Leute haben wir insbesondere im Fokus. Daher organisieren wir viele Veranstaltungen, welche die Gemeinschaft f\u00f6rdern, wo sie essen, trinken und Spa\u00df haben k\u00f6nnen \u2013 einfach unter Menschen kommen. Zudem organisieren wir f\u00fcr depressive Menschen immer eine Weihnachtsfeier mit einem sch\u00f6nen Programm, damit auch diese Leute Harmonie sp\u00fcren und ein ordentliches Weihnachtsfest erleben k\u00f6nnen, statt von Selbstmordgedanken geplagt zu werden.<br \/>\nAllgemein wird immer versucht mit den Menschen gemeinsam und nicht \u00fcber ihre K\u00f6pfe hinweg L\u00f6sungen f\u00fcr sie zu finden. Wir betreuen momentan rund 450 Leute, davon 200 in Heimen. Sie bekommen kein Geld von uns, aber wenn jemand beispielsweise einen Friseur ben\u00f6tigt, dann schicken wir einen Friseur zur betreffenden Person.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Auf welche Spiele innerhalb Ihrer Amtszeit blicken Sie am liebsten zur\u00fcck? Welche sind Ihnen negativ in Erinnerung geblieben?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine besondere Freude hatte ich immer bei Spielen gegen 1860 M\u00fcnchen. 1860 war von der sozialen Struktur her der gleiche Verein wie wir. Karl-Heinz Wildmoser war dort damals Pr\u00e4sident. Wir hatten einmal im Flughafen Riem zusammen eine Veranstaltung, da waren 5.000 Fans. In der Nacht nach dem Spiel gegen M\u00fcnchen haben wir dort eine traumhafte Party gefeiert. Wildmoser und ich waren zusammen auf der B\u00fchne und haben Betzelieder gesungen (lacht). Das war eine gewachsene Freundschaft. Dann hatten wir lange Zeit eine gute, bodenst\u00e4ndige Freundschaft zu Werder Bremen. Ich glaube, da waren unsere Fans auch viel daran schuld, dass das kaputt ging. Es h\u00e4ngt ja oftmals viel an pers\u00f6nlichen Verbindungen, und wenn die mal weg sind, dann geht es schnell.<br \/>\nUnglaublich gerne bin ich nach K\u00f6ln gefahren, das war immer die Hauptstadt unserer Erfolge (lacht). H\u00f6hepunkt war nat\u00fcrlich die R\u00fcckfahrt per Schiff nach Koblenz nach der Meisterschaft. Die K\u00f6lner haben immer gut darauf aufgepasst, dass niemand vom Gegner den Gei\u00dfbock streichelt (lacht). Ein ehemaliger Nationalspieler meinte zu mir: \u201eGeh doch mol hin und streichel de Bock\u201c, dann bin ich hin und habe den Bock gestreichelt und dann haben sie verloren (lautes Gel\u00e4chter). Die waren sehr abergl\u00e4ubig. Nat\u00fcrlich sind auch viele pers\u00f6nliche Freundschaften in Erinnerung. Wenn wir unter Pr\u00e4sidenten etwas abgemacht haben, dann hast du kein Papier gebraucht. Die waren alle ehrenamtlich, haben nur gebracht, nicht genommen, aber das ist heute leider vorbei.<br \/>\nNegativ in Erinnerung ist vor allem das Spiel in Leverkusen. Da ist alles Negative zusammengekommen. Ich kann gar nicht alles aufz\u00e4hlen, was da schiefgelaufen ist, was nicht h\u00e4tte schieflaufen sollen und das Endergebnis war eben, dass wir wegen der Umstellung vom Zwei- auf das Dreipunktesystem und anderen Dingen abgestiegen sind. Wir hatten nur Pech an den Schuhen, sind mit derselben Mannschaft im Jahr darauf aufgestiegen und wurden dann Deutscher Meister. Da kam mir ja niemand sagen, dass wir damals eine Gurkentruppe hatten. Aber manchmal l\u00e4uft eben alles entgegen jeglicher Logik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine Frage, die ebenfalls im Zuge der Kommerzialisierung im Profifu\u00dfball auch in Kaiserslautern aktuell werden kann: Die Umbenennung unseres Fritz-Walter-Stadions. Wieder einmal w\u00fcrde Tradition dem Kommerz weichen. Was denken Sie \u00fcber eine m\u00f6gliche Umbenennung?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann nicht erwarten, dass jemand, der gar nichts mit Fu\u00dfball am Hut hat, Fritz Walter kennt. Aber ich w\u00fcrde in einem Gespr\u00e4ch, in einer sch\u00f6nen Pr\u00e4sentation Fritz Walters Leben und Handeln aufzeigen und mir zutrauen, den Sponsor zu \u00fcberzeugen, dass er einen Mehrwert erzielen w\u00fcrde, wenn er den Namen Fritz Walter im Namen beibehielte. Mit einem Doppelnamen k\u00f6nnte ich mich noch anfreunden. Es steht ja auch in der Satzung, dass unser Stadion diesen Namen tr\u00e4gt, so einfach ist es also gar nicht, das zu \u00e4ndern. Jedem guten Firmenchef m\u00fcsste man klarmachen k\u00f6nnen, dass er einen Mehrwert kaufen w\u00fcrde, wenn er den Namen beibehielte. Ich versuche ja immer einen Kompromiss zu finden, aber beim Namen Fritz Walter finde ich keinen, dieser Teil muss Bestand haben. Nur in Verbindung mit einem anderen, das w\u00e4re f\u00fcr mich denkbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Pfaff, Opel, Coca-Cola, Karstadt- Beispiele f\u00fcr den wirtschaftlichen Niedergang der Stadt Kaiserslautern. Der FCK hat nach wie vor f\u00fcr viele Menschen einen besonders identit\u00e4tsstiftenden Charakter. Ist Kaiserslautern ohne den FCK \u00fcberhaupt denkbar? Den Leuten w\u00fcrde doch was fehlen\u2026<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das w\u00fcrden wir wohl erst wissen, wenn es so weit w\u00e4re. Gott sei Dank sind die Zeichen aber jetzt wieder positiv, anders als vor zwei Jahren, als wir fast abgestiegen w\u00e4ren. Erst dann h\u00e4tten wir gesp\u00fcrt, was das wirtschaftlich f\u00fcr die Region und f\u00fcr den Sport bedeuten w\u00fcrde. Alles w\u00e4re ganz gewaltig zur\u00fcckgegangen, aber zum Gl\u00fcck konnte das alles abgewendet werden. Es muss immer alles f\u00fcr den Erhalt des Vereins getan werden. Es gibt nichts anderes als den FCK, was derart viele Menschen verschiedener Couleur zusammenbringt, das ist der Verein, bei dem der Arbeitslose neben dem Uniprofessor gleichberechtigt Fu\u00dfball schauen, schreien und klatschen kann. Und deshalb ist das so wichtig f\u00fcr viele Menschen. Man sollte auch nicht glauben, dass nur die Leute, die auf den Betze gehen Sympathien f\u00fcr den FCK haben. Auch alte Leute, die schon eh und je via Radio und TV dem Betze die Daumen dr\u00fccken, da gibt es unglaubliche Sympathien in unserer Region und weit dar\u00fcber hinaus bis in andere L\u00e4nder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Abschlie\u00dfend: Sie kennen den Verein wie kaum ein Zweiter, durften Erfolge feiern und mussten bittere Stunden miterleben \u2013 sportlicher, wie auch pers\u00f6nlicher Natur. Was w\u00fcnschen Sie sich in Zukunft f\u00fcr \u201eIhren FCK\u201c?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich w\u00fcnsche mir f\u00fcr meinen FCK, dass er die Erstklassigkeit beh\u00e4lt. Dass er zwischenmenschlich, was die Mannschaft, die Funktion\u00e4re und das Umfeld, die Fanbewegung angeht, weiter zusammenw\u00e4chst, dass das alles wieder Vorbildfunktion hat, die ausgebaut wird. Das ist ja bereits vorhanden, aber daran muss immer wieder permanent gearbeitet werden und dann hat der FCK wieder eine zukunftstr\u00e4chtige Ausstrahlung. Dieser FCK gibt vielen Menschen mehr Lebensqualit\u00e4t. Ich sage immer: \u201eEs gebt zw\u00e4\u00e4 Sache in de Palz \u2013 de Woi un de FCK. Un wammer versteht, die mit Genuss zu genie\u00dfe, dann hot mer e gro\u00dfes Stick Lewensqualit\u00e4t.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Interview!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ehrenpr\u00e4sident des FCK, Norbert Thines, ist im Alter von 80 Jahren verstorben. Auch nach seiner Amtszeit stand er wie kaum ein Zweiter f\u00fcr die Werte unseres Vereins. 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